Am 08.09.2021 druckte der Soester Anzeiger unter der etwas verunglückten Überschrift: Antibiotika stellen keine Gefahr für Haustiere dar" den folgenden Leserbrief der BI Berlingsen zur Kampagne der Tierärzte (Siehe Soester Anzeiger vom 06.09.2021)

 In Ihrem Artikel „Tierärzte gegen Antibiotika-Verbot“ wird Tierärzten aus dem Kreis Soest viel Raum gegeben, um sich gegen ein vermeintliches Antibiotika-Verbot in der Tiermedizin zu wehren und für eine entsprechende Unterschriftenaktion zu werben. Leider wird der komplexe Sachverhalt nur stark vereinfacht wiedergegeben, wodurch der Eindruck entstehen kann, dass Gefahr für Haustiere drohen könnte. Das ist jedoch nicht der Fall, auch wenn Tierärzte, denen man als Tierhalter viel Vertrauen entgegenbringt, dies behaupten.

Am 06. Oktober findet auf dem Gärtnerhof Röllingsen ein Workshop zur Einführung eines ausgewogenen und nachhaltigen Verpflegungsangebotes in Kitas und Schulen statt. Er steht unter dem Titel: "Bio kann jede/r - Verpflegung und Nachhaltigkeit im Einklang – So funktioniert Bio in Kita und Schule".

"Bio kann jeder" ist ein Programm des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, das in unserer Region durch a'verdis durchgeführt wird. Die Teilnahme ist kostenlos.

 Weitere Infos unter www.biokannjeder.de 

Was will Bio kann jeder erreichen?

 

Die Auseinandersetzung geht in die nächste Runde: Am 01.09. hat die kreisverwaltung Soest mitgeteilt, dass der Landwirt gegen den ablehnenden Bescheid auf seinen Antrag zur Errichtung einer Hähnchenmastanlage in Berlingsen Klage eingereicht hat.

Die EU-Tierarzneimittelverordnung Nr. 2019/6 steht kurz vor ihrer Verabschiedung. Ein wesentliches Ziel dieser Novelle besteht darin, die Verwendung von sog. Reserve-Antibiotika bei Tieren weiter einzuschränken. Denn in den vergangenen Jahren ist die Menge der Antibiotika, die bei Teren eingesetzt werden, zwar zurückgegangen. Dafür wurden aber immer mehr Medikamente bei Tieren eingesetzt, die der Behandlung von Menschen vorbehalten sein sollen. Der Begriff "Reserveantibiotika" wird von Tierärzten offenbar sehr weit gefasst. Daher bedarf es einer Klärung, welche Antibiotika tatsächlich der Behandlung von Menschen vorbehalten sein sollen. Zuständig ist der Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) derEU.

Obwohl jedes Jahr allein in Deutschland ca. 33.000 Menschen sterben, da die vorhandenen Antibiotika bei ihnen nicht mehr anschlagen, wehren sich nun insbesondere Tierärzte massiv gegen die geplanten Einschränkungen. In Kampagnen suggerieren sie, dass Hunde und Katzen infolge der neuen Verordnung massiv bedroht seien. Tatsächlich würde die Verordnung allerdings Auswirkungen auf die Massentierhaltung insbesondere bei Masthähnchen, Puten und Schweinen haben. Immer wieder ist insbesondere Geflügelfleisch aus Massentierhaltung mit multiresistenten Keimen verseucht.

Im September wird entschieden, welche Antibiotika zukünftig ausschließlich dem Menschen vorbehalten sein werden. Die Verordnung wird Anfang 2022 in Kraft treten.

 

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