In seiner Sitzung vom 25.03.2021 hat der Kreistag eine Resolution zur zukunftsorientierten Nutztierhaltung verabschiedet. Die Resolution war von Bündnis 90/Die Grünen entworfen und dann mit den Fraktionen der CDU und der SPD abgestimmt worden. Der Beschlussvorschlag lautete: "Landrätin und Kreistagsmitglieder verpflichten sich dem Leitbild einer zukunftsorientierten Nutztierhaltung im Kreis Soest"

Schilderung des Sachverhalts
Über die angemessene Haltung von Nutztieren gibt es immer wieder, so auch hier im Kreis Soest, intensive Diskussionen. Fragen in Bezug auf die Haltungsverfahren (z. B. „Wie viel Platz müssen die Tiere mindestens haben?“), Fragen im Hinblick auf den Tierschutz, aber auch auf den Umweltschutz werden sowohl aus der Mitte der Gesellschaft als auch gleichzeitig von fachwissenschaftlicher Seite bezogen auf das Tierwohl, auf die Stickstoff- und CO2-Emissionen, als auch auf antibiotische Hemmstoffe und die Verbraucherbedürfnisse in der Nutztierhaltung intensiv kritisiert.

Das „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“, die 2019 eingesetzte sogenannte Borchert-Kom-mission unter Vorsitz des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Jochen Borchert, empfiehlt eine strategische Ausrichtung für die Nutztierhaltung in Deutschland in folgenden Stufen:

- Stufe 1 – „Stall plus“: mehr Platz, mehr Beschäftigungsmaterialien
- Stufe 2 – „Verbesserte Ställe“: zusätzlicher Platz, Strukturierung, Klimazonen möglichst mit Kontakt zum Außenklima, Neubauten mit Kontakt zum Außenklima, Umbauten möglichst mit Kontakt zum Außenklima
- Stufe 3 – „Premium“: mehr Platz als in den Stufen 1 und 2, Auslauf bzw. Weidehal-tung (Rinder, Geflügel u. a.); das Niveau dieser Stufe orientiert sich weitgehend an Neuland und den Haltungskriterien des ökologischen Landbaus

Die Stufen zwei und drei werden nach guter fachlicher Praxis mit dem „Schweinestall der Zukunft“ auf Haus Düsse in Bad Sassendorf erprobt.

Ziel ist, dass Verwaltung und Politik gemeinsam mit den Landwirten und dem auf Haus Düsse angesiedelten „Geschäftsbereich Tierhaltung und Tiergesundheit der Landwirt-schaftskammer“ daran arbeiten, die strategische Ausrichtung der Borchert-Kommission in Richtung praxistauglicher Tierwohlkriterien in der landwirtschaftlichen Tierhaltung bei uns im Kreis Soest umzusetzen. Verwaltung und Politik verpflichten sich, die Tierwohlkriterien des „Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung“ in den Genehmigungsprozess für neue Stallgebäude einzubeziehen, sobald diese vollständig vorliegen und eine Finanzierbarkeit durch politische Rahmenbedingungen sichergestellt ist.

Der Kreis Soest verpflichtet sich, diesen Umbau der Nutztierhaltung als Querschnittsauf-gabe in den entsprechenden Fachausschüssen und Gremien mit zu berücksichtigen. Eine Querschnittsaufgabe besteht im Wesentlichen darin, den Flächenverbrauch sowohl im All-gemeinen als auch in Bezug auf Stallbauten in der Landwirtschaft im Kreis zu minimieren, um Landwirten eine Existenzsicherung und Perspektive im Kreis Soest zu bieten. Vorrang vor dem Stallbau muss die Weidetierhaltung haben, mit der Flächen offengehalten, der größte CO2-Speicher Grünland gepflegt und das Tierwohl gefördert werden.

Soest, 25.03.2021

gez. Ulrich Häken          gez. Christian Klespe   gez. Ilona Kottmann-Fischer
(Fraktionsvorsitzender) (Fraktionsvorsitzender) (Fraktionsvorsitzende)