Die EU-Tierarzneimittelverordnung Nr. 2019/6 steht kurz vor ihrer Verabschiedung. Ein wesentliches Ziel dieser Novelle besteht darin, die Verwendung von sog. Reserve-Antibiotika bei Tieren weiter einzuschränken. Denn in den vergangenen Jahren ist die Menge der Antibiotika, die bei Teren eingesetzt werden, zwar zurückgegangen. Dafür wurden aber immer mehr Medikamente bei Tieren eingesetzt, die der Behandlung von Menschen vorbehalten sein sollen. Der Begriff "Reserveantibiotika" wird von Tierärzten offenbar sehr weit gefasst. Daher bedarf es einer Klärung, welche Antibiotika tatsächlich der Behandlung von Menschen vorbehalten sein sollen. Zuständig ist der Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) derEU.

Obwohl jedes Jahr allein in Deutschland ca. 33.000 Menschen sterben, da die vorhandenen Antibiotika bei ihnen nicht mehr anschlagen, wehren sich nun insbesondere Tierärzte massiv gegen die geplanten Einschränkungen. In Kampagnen suggerieren sie, dass Hunde und Katzen infolge der neuen Verordnung massiv bedroht seien. Tatsächlich würde die Verordnung allerdings Auswirkungen auf die Massentierhaltung insbesondere bei Masthähnchen, Puten und Schweinen haben. Immer wieder ist insbesondere Geflügelfleisch aus Massentierhaltung mit multiresistenten Keimen verseucht.

Im September wird entschieden, welche Antibiotika zukünftig ausschließlich dem Menschen vorbehalten sein werden. Die Verordnung wird Anfang 2022 in Kraft treten.