Am 08.09.2021 druckte der Soester Anzeiger unter der etwas verunglückten Überschrift: Antibiotika stellen keine Gefahr für Haustiere dar" den folgenden Leserbrief der BI Berlingsen zur Kampagne der Tierärzte (Siehe Soester Anzeiger vom 06.09.2021)

 In Ihrem Artikel „Tierärzte gegen Antibiotika-Verbot“ wird Tierärzten aus dem Kreis Soest viel Raum gegeben, um sich gegen ein vermeintliches Antibiotika-Verbot in der Tiermedizin zu wehren und für eine entsprechende Unterschriftenaktion zu werben. Leider wird der komplexe Sachverhalt nur stark vereinfacht wiedergegeben, wodurch der Eindruck entstehen kann, dass Gefahr für Haustiere drohen könnte. Das ist jedoch nicht der Fall, auch wenn Tierärzte, denen man als Tierhalter viel Vertrauen entgegenbringt, dies behaupten.

Tatsache ist, dass der Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit des EU- Parlaments den Vorschlag der EU-Kommission zur Festlegung von Reserveantibiotika zurückgewiesen hat. Es ist jedoch völlig verfehlt, daraus abzuleiten, dass der Ausschuss anstrebt, den Antibiotika-Einsatz bei der Behandlung von Tieren grundsätzlich zu verbieten. Der Ausschuss hat gegen den Vorschlag der EU-Kommission deshalb Widerspruch eingelegt, weil er seiner Meinung nach nicht klar genug zwischen der Anwendung von Antibiotika bei Menschen und bei Tieren unterschieden hat. Der Ausschuss sah die Gefahr, dass das Ziel nicht erreicht werden kann, bestimmte Antibiotika tatsächlich der Behandlung von Menschen vorzubehalten. Darüber hinaus ist es dem Ausschuss wichtig, dass der Einsatz von Antibiotika insbesondere in der Massentierhaltung von Geflügel klarer geregelt wird. Der Entwurf hat eben nicht zwischen der Behandlung von Haustieren und Nutztieren in unterschiedlichen Haltungsformen unterschieden. Es geht also nicht darum, dass das Meerschweinchen oder die Hauskatze nicht mehr mit Antibiotika behandelt werden soll, sondern es geht darum, dass sich Multiresistente Keime nicht weiter ausbreiten und dass auch in Zukunft wirksame Antibiotika für die Behandlung von Menschen bereitstehen.

Schon jetzt sterben in der EU jedes Jahr mehr als 33.000 Menschen an Infektionen durch multiresistente Keime, gegen die es kein wirksames Antibiotikum mehr gibt, Tendenz steigend, und viele leiden an chronischen Entzündungen. Insbesondere Geflügel aus Massentierhaltung ist stark mit multiresistenten Keimen verseucht, die mittlerweile sogar im Tierfutter nachgewiesen werden konnten. Tierfreunde sollten sich also gut überlegen, ob sie diese Resolution unterschreiben oder ob es ihnen vielleicht doch wichtiger ist, dass ihre Angehörigen oder sie selbst bei einer infizierten Verletzung oder Lungenentzündung mit einem wirksamen Antibiotikum behandelt werden können. 

Erwin Denninghaus

Bürgerinitiative Berlingsen

www.nachhaltigelandwirtschaft.eu