(verteilt in den ersten Januartagen 2021 in Berlingsen - d. Red.)

Liebe Berlingserinnen und Berlingser,

Euch wird wahrscheinlich in den letzten Tagen ein Brief von der Familie Bömer erreicht haben, die für den Bau ihrer Hähnchenmast zwischen dem Tollpost und Berlingsen, geworben haben. Und ja, Ihr habt richtig gehört, es ist eben kein romantischer, friedlicher Hühnerstall, wie er uns als Kind in so vielen Bilderbüchern

begegnet ist, sondern eine Mastanlage mit zwei Ställen, in welchen jeweils 39.800 Hähnchen ihr kurzes Leben verbringen sollen. Wie die Tierhaltung in solchen Mastbetrieben gehandhabt wird, ist Euch glaube ich allen bekannt: wenig Platz, keine frische Luft und gequälte Hühner, die sich aus ihrer Verzweiflung heraus gegenseitig verletzen. Zudem kann es, bedingt durch die Verabreichung von Antibiotika, zur Bildung von multiresistenten Keimen kommen.

Unsere Motivation ist, Euch der Realität entsprechend darüber zu informieren, was es mit diesem verniedlicht dargestellten Hühnerstall wirklich auf sich hat.

Die Anlage soll ca. 850 m südwestlich und ca. 700 m nördlich von der jeweils nächstgelegenen geschlossenen Wohnbebauung entfernt entstehen, was eine Geruchsbelästigung bei entsprechender Windrichtung nicht ausschließen lässt. Aufgrund des häufigen südwest Windes ist davon vor allem Berlingsen betroffen.

Die Stallungen sind 21,4 m breit, 100,3 m lang und haben eine Firsthöhe von ca. 5,8 m. Durch den Bau würde dementsprechend noch mehr kostbare Nutzfläche versiegelt werden.
Die zehn Kamine, wovon allerdings nur fünf dauerhaft in Betrieb sein werden, sollen dann die Abluft 12m über Bodenhöhe in die Atmosphäre leiten.

Gerüche, Ammoniak-, Staub und Bioaerosolemissionen gelangen allerdings auch auf drei anderen Wegen in unsere Umwelt: aus dem Stall selbst, aus der Rohstoff-und Reststofflagerung (Silage, Rohstoffannahme, Gülle) und während des Ausbringens von Gülle und Mist. Dies könnte ebenfalls zu Umweltschädigungen und Geruchsbelästigungen führen.

Das Maximum an Gerüchen wird bei der Hähnchenmast jedoch erst am Ende einer Mastperiode erreicht, wenn die Tiere also abtransportiert und die Stallungen mit neuen Wirtschaftsgütern befüllt werden, was ausschließlich bei Nacht geschieht.

Nun aber zu dem eigentlichen »Produktionsablauf« selbst, wie es professionell in dem Antrag der Familie Bömer heißt. Falls Ihr damit gerade nichts anfangen könnt, da es sich ja eigentlich um eine Tierzucht und keine industrielle Fertigung von Gütern handelt, geht es Euch ähnlich wie mir, denn der Begriff »Produktionsablauf« umschreibt in diesem Kontext die Zucht selbst, in anderen Worten also das Leben der Hühner in den genannten Stallungen.

Anreisen werden sie als schmächtige Küken mit einem Körpergewicht von 45 g je Tier, wovon dann zuerst 36% der Tiere mit einem Körpergewicht von 1.800 g nach 32 Tagen die Stallungen verlassen, um im Supermarkt und auf unseren Tellern zu landen und die anderen 64 % nach 42 Tagen mit einem Körpergewicht von 2,8 kg. Dabei werden 12 – 14 Hähnchen ein Quadratmeter Lebensfläche zur Verfügung stehen.

Geplant sind 7,4 solcher Mastdurchgänge pro Jahr, die insgesamt ca. 589.040 Hühner auf den Markt bringen sollen. Zwischen diesen Mastperioden ist eine Leerzeit von 7 Tagen zur Entmistung, Reinigung, Desinfektion, Trocknung und Vorbereitung des jeweils nächsten Mastdurchganges gesetzlich vorgeschrieben.

Für die Versorgung werden jährlich 352 LKW zwischen 18t und 40t benötigt, welche den Feldweg, der ebenfalls ein beliebter Radweg ist und auch von Spaziergängern gerne benutzt wird, unterhalb des Erdbeerfeldes befahren werden. Dies führt nicht nur zu Lärmbelästigungen, sondern auch zur Beschmutzung, Abnutzung und Blockierung des Feldweges.

Also liebe Berlingserinnen und Berlingser, das sind nun ein paar Fakten über den Bau dieses »Hühnerstalles«. Natürlich könnt Ihr die Unterlagen auch gerne selbst (bis zum 18.01. - d. Red.) im Rathaus einsehen. Falls Ihr noch weitere Fragen habt, oder Euch gegen den Bau einsetzen wollt, könnt Ihr uns, Cornelia Bornefeld-Gronert (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), Hendrick Flöttmann (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), Dennis Schiwe (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), Henrike Völker (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) und Johanna Grabs (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) gerne kontaktieren. Wir haben auch schon eine Petition gegen den Bau auf Change.org erstellt und würden uns über eine Unterschrift sehr freuen (ist zwischenzeitlich abgeschlossen - d. Red.).