Leserbrief (veröffentlicht im Soester Anzeiger am 6.1.21)

Zur Sinnhaftigkeit der auf der Haar nahe Berlingsen geplanten zwei Hähnchenmastställe sind in Leserbriefen und Stellungnahmen schon viele Fragen aufgeworfen worden. Auch ich habe Fragen:

Wer soll dieses Hähnchenfleisch essen? Fehlt es in Deutschland an Hähnchenfleisch?

Auf der Presseseite des Zentralverbands der deutschen Geflügelwirtschaft (zdg) ist folgendes zu lesen:

„Bei einer Delegationsreise nach China und Vietnam hat der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wichtige Impulse für einen Ausbau der Handelsbeziehungen und ganz konkret für eine Öffnung des chinesischen Marktes für Geflügelfleisch aus Deutschland gesetzt." (2.9.2020, zdg-online.de)

Da scheint der deutsche Markt doch gesättigt zu sein? Warum müssen weitere Ställe entstehen, in denen im industriellen Stil die „Ware Tier“ erzeugt wird? Die jahrelang Tierleid kreiieren. Die viele Probleme aufwerfen, angefangen mit der bedenklichen Art der Futterbeschaffung, über die aufwendige Entlüftung keimbelasteter Luft, von Hähnchentrockenkot, der keinesfalls auf den Acker gelangen soll bis hin zur häufigen Anhaftung multiresistenter Keime am Fleischerzeugnis?

Fehlt es also in Wirklichkeit vielleicht eher an hochwertigem Fleisch aus tiergerechter und umweltschonender Haltung?

Ich wünsche mir Landwirtinnen und Landwirte, die den Mut haben, an einer umweltschonenden, nachhaltigen und enkeltauglichen Landwirtschaft mitzuwirken. Die ihre Erlöse und gewährte Subventionen kreativ nutzen, um unsere Börde in eine artenreiche, ökologisch wertvolle und vielfältige Landschaft zu verwandeln. Die uns Verbraucher mit tierischen Produkten versorgen, die mit Freude verzehrt werden.

Ich wünsche mir Entscheidungen im Kreishaus, die dabei hilfreiche Impulse setzen.

Und ich wünsche mir Verbraucherinnen und Verbraucher, die verstehen, dass sie bei jedem Lebensmitteleinkauf zeigen, dass uns regionale Erzeugnisse wichtig sind, die den Namen „Lebensmittel“ wirklich verdienen.

Hanne Dale, Möhnesee-Wamel