(als Leserbrief veröffentlicht im Soester Anzeiger vom 22.12.2020)

In Zeiten, in denen Bauern immer mehr aufwändig ihre Betriebe umbauen, um eine tiergerechtere Aufzucht ihrer Nutztiere sicherzustellen und damit ihrem Hof und nachfolgenden Generationen eine nachhaltige Perspektive zu eröffnen, wird in der Gemeinde Möhnesee,

oben auf der Haar eine Tierfabrik aufgebaut. Zwischen Berlingsen und Körbecke, unweit des im Sommer beliebten Erdbeerfeldes, sollen zwei Hallen entstehen, in denen jeweils 39 800 Hähnchen für kurze Zeit ein Zuhause finden.

Viele essen sehr gern Hähnchen, viele lieben Tiere. Wie es in diesen Hallen aussieht, kennen wir mittlerweile aus den Medien. Und bei diesen Bildern kann einem schon mal die Hähnchenkeule im Hals stecken bleiben.

Aber Aspekte des Tierschutzes sind in einem solchen Genehmigungsverfahren nur am Rande zu berücksichtigen. Entscheidend sind die Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes und des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung. Bei der Menge an Tieren tatsächlich ein großes Problem.

Denn auch wenn die Hähnchen streng kaserniert sind und die Hallen nicht zum Picken und Scharren verlassen dürfen, fällt Dreck und Gestank an. Der Hühnerkot will entsorgt sein, der Gestank steigt durch mehr als 10 Meter hohe Schornsteine zum Himmel. Es muss Futter dorthin und die Hähnchen zum Schlachten wieder weg transportiert werden. Dies geschieht nicht mit Trecker und Anhänger, sondern mit großen LKW.

Eine Bereicherung für die Landschaft stellen diese Hallen zudem nicht dar. Daneben müssen noch andere Gebäude zur Sicherstellung der Infrastruktur (Futtersilos, Reinigungswasserauffanganlage, Gastanks etc.) erbaut werden. Weitere Flächen werden durch diese Baumaßnahmen versiegelt.

Große Lebensmittelketten werben mit Waren, die das Bio-Zertifikat tragen und in ländlicher Idylle entstehen industrielle Hähnchenmastanlagen. Das stinkt doch zum Himmel.

Die Einrichtung dieses Industriebetriebes wird durch die genehmigende Kreisbehörde in Rücksprache mit der Gemeinde Möhnesee geprüft.

Weitere Konkretisierungen sind für jede Interessierte und jeden Interessierten online auf der Seite des Kreises Soest (Kataster, Immissionschutz, Anträge) oder in der Zeit vom 18.12.20 – 18.01.21 im Rathaus der Gemeinde Möhnesee und im Kreishaus nach Anmeldung im Rahmen der Bürgerbeteiligung einzusehen.

Cornelia Bornefeld-Gronert
Möhnesee